Deine Lakaien Live in Bremen
Weserkurier 22.2.1992


Schlichtweg bestechendes Konzert
mit inspirierter Popmusik

Deine Lakaien“ konnten im Römer auch ohne zweite Gruppe begeistern.

Von unserem Mitarbeiter Christian Emigholz.

Eigentlich war im Römer ein Doppelkonzert geplant: es reisten aber doch bloß „Deine Lakaien“ an; die ebenfalls annoncierten „This Shrinking Feeling“ mußten zu Hause bleiben, - die Wege im Popgeschäft sind und bleiben unerforschlich. Sozusagen zum Ausgleich spielten „Deine Lakaien“ ein (ansonsten im Römer eher unübliches) kompaktes Eineinhalbstunden-Programm.

Gegründet wurden „Deine Lakaien“ vom Sänger Alexander Veljanow und dem Keyboard-Tüftler Ernst Horn; für Konzertzwecke hat sich das Duo um den Geiger Christian Komorowski und den Multiinstrumentalisten Michael Popp verstärkt. Die Band reist mit dem Etikett einer Elektronik-Formation, die außerdem tanzbares Material mit Noise-Pop zusammenbringt.

Das beschreibt aber nur unzureichend die komplexe und vielschichtigen musikalischen Gratwanderungen, mit denen „Deine Lakaien“ operieren: Neben ausgesprochen spektakulär inszenierten Dynamiksteigerungen, bei denen der Techno-Beat allmählich in einem orgiastischen Soundschwall-Lärm übergeht, neben Intensitätsschüben mit minimalen Verschiebungen von Melodie und Rhythmus, was gelegentlich zu trancehafter Versenkung führt, haben „Deine Lakaien“ noch allerhand andere musikalische Splitter im Repertoire. Zum Beispiel einen vorsichtig folkloristischen Touch sowie Versatzstücke aus dem E-Musik-Bereich.

Die von Michael Popp neben der E-Gitarre gespielten Instrumente wie Oud und Drehleier sorgen gemeinsam mit Komorowskis Violine für diesen von arabischen und osteuropäischen Motiven sowie von Renaissance und Mittelalter inspirierten Sound. Ernst Horn läßt dazu sein Keyboard mal wie ein Harmonium, mal wie ein Cembalo, mal wie eine Kirchenorgel klingen oder ruft einen gespeicherten Chorgesang ab, zerlegt ihn sodann sorgsam in seine Bestandteile, bis er zum Rythmuspartikel geworden ist. Außerdem offenbart Sänger Alexander Verljanow eine Vorliebe für Stücke, die in der Struktur klassischer Chansons angelegt sind. Bei diesen Songs kann er die Laszivität seiner sonoren, hervorragenden Stimme am intensivsten ausspielen.
Mit ihrer intelligent zusammengewürfelten und professionell vorgetragenen Musik zeigten „Deine Lakaien“ allerhand Möglichkeiten für eine ungewöhnlich inspirierte Popmusik auf.

Das gewöhnlich klatschfaule Publikum ließ sich zu Ovationen hinreißen, was Zugaben zur Folge hatte. Ein schlichtweg bestechendes Konzert.

Weserkurier 22.2.92


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