Deine Lakaien
Interview - Inquista Fanzine No.10

…Nahezu monumental steht dieses Bauwerk aus Musik, mit fast ausschließlich aphoristischen Texten, in der Welt des Denkens und des schöpfens klanglicher Gelüste. Adorabel fasziniert vom Tod sind die beiden Vollblutmusiker: Ernst Horn (Instrumente, Produktion) und der gebürtige Mazedonier Alexander Veljanov (Sänger der Berliner Band RUN RUN VANGUARD). Bilateral vollziehen sie mit dem Hörer ihrer Musik eine Reise, begonnen bei William Shakespeare über die Philosophie, die Religion über den Composanto bis hin zur Wirklichkeit: dem Tod!


Wie ist der musikalische Backround von DEINE LAKAIEN beschaffen?

Alex: Meine ersten Kontakte mit dem Gesang bekam ich in der Kindheit. Ich bin in Mazedonien aufgewachsen und musikalisch geprägt bin ich eigentlich durch die Folklore dort in Bulgarien. Ich habe dort im Kirchenchor gesungen. Später habe ich gemerkt, daß ich mich beruflich auf die Musik konzentrieren will, und dann mußte ich mich entscheiden, ob ich die klassische Richtung einschlage und auf der Akademie Musik und Gesang studiere. Ich habe mich dann für die Kellermusik entschieden, bevor ich nach Berlin gegangen bin. Eigentlich wollte ich eine Gitarren-Band haben, dort sah ich mehr Freiraum in meiner Entwicklung.

Opernsänger kam für mich dann nicht mehr in Betracht, was ich mir damals überlegt hatte, aber es war mir dann doch ein bißchen zu eng. Also, wenn man selber Texte schreiben und Lieder komponieren will, ist man zu sehr gebunden an das, was mit dem Studium zusammenhängt: den Gesangslehrer, der einem etwas verbietet, das man gerne machen würde.

Ich hatte eine Zeitlang einen Gesangslehrer, der mir fast untersagt hat, Postpunk und Gitarrenmusik, bei der man die Stimme ruinieren kann, zu machen, aber ich habe das dann, glaube ich, ganz gut hinbekommen - ich finde meine Stimme ganz gut. Ich habe sie weiterentwickelt und das hat mir nicht geschadet, ganz im Gegenteil.

Ernst: Ich bin Berufsmusiker und hatte schon immer Ambitionen zur Musik.

Ich bin eigentlich klassischer Musiker und habe Schlagzeug, Klavier und dirigieren studiert, was ich dann auch abschloß mit ein paar Jahren Staatstheater in Karlsruhe.

Du bist klassischer Musiker. Was hat Dich dazu bewogen, plötzlich in dieser Dark-Wave-Richtung weiterzumachen?

Ernst: Das hängt mit verschiedenen Sachen zusammen.

Ich habe schon immer Popmusik gehört und auch sehr gemocht. Die Berufsrichtung klassische Musik schlug ich erst einmal ein immer mit der Geschichte im Hintergrund, daß ich beides machen möchte. Dann hat sich einfach irgendwann die Möglichkeit ergeben, so daß ich mir einmal gesagt hatte: so, nun habe ich genug Geld beisammen, um ein eigens Studio aufzumachen.

Es ergab sich hier eine gute Gelegenheit, so ein Studio aufzuziehen, in dem man seine eigenen Sachen macht - es war einfach die Zeit dafür da. Machen wollte ich es schon immer, weil ich meine eigene Musik machen wollte und weil ich Independent- und Pop-Musik für ein ganz gutes Feld halte, so ein kreatives Feld mit sehr viel Feedback.

Welche textliche Themen behandelt Ihr?

Ernst: Wir versuchen ein Konzept und einen Themenkreis, in die Texte zu bekommen. Auf unserer ersten Platte handeln die Texte von der Wanderschaft eines Jungen in die Stadt. Er kommt in die Stadt und sinkt dort durch Drogen usw. ab.

Danach nahmen wir eine Produktion auf, die nur auf Kassette existiert, da geht es nur um Religion und Tod. Dann haben wir zum Teil religiöse Themen, zum Teil mehr persönlich motivierte Sachen genommen und damit gespielt. Wir dachten, dieses Projekt gar nicht veröffentlichen zu können, weil das für die Leute etwas zu intellektuell war. Darum kam es nie zur Veröffentlichung, bis auf zwei Songs, die auf der neuen Platte erschienen sind. Der eine Song heißt „Reincarnation“ und er andere „Love me to the end“, die sich auf jeden Fall von den anderen Liedern auf der neuen LP unterscheiden.

Im Text „Reincarnation“ applizierten DEINE LAKAIEN den Tatsachen ein gegenteiliges Verständnis, damit man die Reincarnation nicht als eine Stufenleiter, die einen dann letzlich auf die höchste Stufe setzt, sondern als einen Fluch versteht. Man wird immer wieder reingestoßen in das Leben, und wenn man glaubt, man hat es geschafft, dann muß man wieder rein. Es ist eine ewige Wunde, eine immer wiederkehrende.

Nicht aniklerikal, blasphemisch sondern sehr realistisch steht Ernst zu Religionen.

Bist Du ein religiöser Mensch?

Ernst: Nö! - Nein, ich mag es, ich philosophiere unheimlich gern über Religion, die Gefühle religiöser Menschen; das ist einfach eine unheimlich interessante Sache. Ich selber könnte mich eigentlich nicht entscheiden für die Religion oder soetwas. Die objektive Wahrheit ist dann schon etwas anderes…


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