„Star Files“ - Musikmagazin ZILLO
Alexander Veljanov (Deine Lakaien) Portrait (Dez. 2003)

Alexander Veljanov (Deine Lakaien)

Geburtstag: 6.6…66
Geburtsort: Planet Earth
Momentaner Aufenthaltsort: zwischen Herbst und Winter
Schulabschluss: war schön
Lieblingsschulfächer: sich verlieben
Verhassteste Schulfächer: sich verlieben
Wichtigste Musiker-Erlebnisse: erstes Konzert, erste Platte
Übelste Musiker-Erlebnisse: Glatzenalarm bei Konzerten mit Run Run Vanguard nach dem Mauerfall


Zillo: Was hat Deiner Meinung nach Deine Kindheit und Jugend am stärksten geprägt?

Alexander: Mein multikultureller Background hat mich bestimmt am meisten geprägt, natürlich auch die kulturellen Einflüsse aus verschiedenen europäischen Gegenden, die sich sehr stark unterscheiden.

Zillo: War es immer Dein Wunsch gewesen, Sänger zu werden, oder hattest Du als Kind auch die klassischen Berufswünsche wie Feuerwehrmann, Polizist oder Arzt gehabt?

Alexander: Ich fand es schon mit vier oder fünf Jahren sehr traumhaft zu singen und war ganz fasziniert, wenn ich auch mal im Fernsehen Sänger gesehen habe. Das war schon ein Wunsch, aber kein Berufswunsch. Durch die gesellschaftliche Prägung und Erziehung war es ja auch ganz klar, dass man sich so etwas nicht als Beruf vornimmt. Das kann man nur machen, wenn man ganz viel Glück hat. Durch die Schule hat sich der Berufswunsch dann etwas verschoben. Ich glaube, ich wollte immer Lehrer werden, aber dann wurde der Wunsch, Sänger zu werden, doch immer stärker.

Zillo: Als Du Ernst kennengelernt hast, studiertest Du gerade Film- und Theaterwissenschaften in München. Was hat Dich am Medium Film und Theater besonders fasziniert?

Alexander: Filme haben mich schon immer sehr fasziniert. Die Künstlichkeit und das Artifizielle daran fand ich sehr begeisternd. Beim Theater hat mich vor allem die Kombination zwischen Musik und Theater interessiert. Zum Film wollte ich noch gehen, als es Deine Lakaien schon gab. Ich habe mir echt überlegt, ins Regiefach zu gehen, als ich mir noch nicht vorstellen konnte, mit Musik Geld zu verdienen. Dann hat es sich so ergeben, dass Film und Theater in den Hintergrund gerückt sind.

Zillo: Was ging Dir als Erstes durch den Kopf, als Du die Kleinanzeige gesehen hast, mit der Ernst einen experimentierfreudigen Sänger gesucht hat?

Alexander: Ich war dankbar überhaupt eine Anzeige zu finden, die mich einigermaßen ansprach. Das klang schon sehr interessant, experimentierfreudiger Sänger und elektronische Musik. Da dachte ich mir, hoffentlich wird das was. Denn in München gab es damals weitaus andere Musikrichtungen, die von den Leuten verfolgt wurden, als dunkle Wave-Musik.

Zillo: Was hat Dich beim ersten Treffen mit Ernst am meisten beeindruckt?

Alexander: Ich war ja ein völlig unbeleuchteter Abiturient, der überhaupt keine Lebens- und Berufserfahrung besaß. Und Ernst hatte ein abgeschlossenes Musikstudium und lange am Musiktheater gearbeitet. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Wenn man achtzehn ist, fällt der Altersunterschied noch ganz anders aus als heute, da dann schon alles relativiert wird.

Zillo: Wie bist Du überhaupt in einer Stadt wie München zurecht gekommen?

Alexander: Es war schon schwierig. Ich bin da nicht warm geworden. Es ist zwar von heute aus gesehen eine schöne Stadt mit beeindruckender Natur, aber ich habe damals was anderes gesucht und bin dann auch schnell wider nach London und Berlin gegangen, trotz Lakaien. Das Studium habe ich auch in Berlin fortsetzen können, in London leider nicht, sonst wäre ich dort geblieben. Der Gegensatz war schon gewaltig Mitte der 80er. Berlin, die Mauerstadt, alles grau und düster, sehr viel Underground. München war eher dominiert von surfenden BWL-Studenten. Natürlich gab es da auch eine kleine Szene, aber die Möglichkeit, sich zu verwirklichen, war doch sehr beschränkt, allein schon durch die Sperrstunde, so dass man nicht von Laden zu Laden gehen und neue Leute kennenlernen konnte, um so Untergrund auch leben zu können, was ja damals sehr wichtig war

Zillo: Die 80er Jahre haben Euch nicht nur damals musikalisch beeinflusst, sondern hinterlassen noch immer ihre Spuren in Eurer Musik, wie zuletzt ganz konkret in dem Song „Kiss The Future“. Was hat die 80er für Dich am meisten ausgemacht?

Alexander: Dieses Do-it-yourself, jeder kann was machen. Du mußtest nicht viel Geld von irgendeiner Firma oder der Industrie bekommen, um was machen zu können. Da gab es einen riesengroßen Auftrieb durch Punk, dann Post-Punk und Wave. Alles hat sich vermischt. Underground, Kunstszene, Musikszene, Tanz, Theater, Malerei. Alles war wild und hungrig. Das hat mich schon sehr mitgerissen. Das war im Grunde revolutionär.

Zillo: Welche Träume hast Du noch? Was möchtest Du noch alles erreichen?

Alexander: Die wichtigsten persönlichen Ziele sind für mich familiäres Glück und Gesundheit. Alles andere ist Beiwerk.

Dirk Hoffmann


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