Deine Lakaien „Kasmodiah“
Großes Feature im Zillo

Auch wenn sich Ernst und Alexander recht früh darüber im klaren gewesen waren, dass sie mit Deine Lakaien weitermachen wollten, fehlte ihnen doch die klare Vorstellung davon, wie sie denn den Neuanfang in Angriff nehmen sollten. Aber als die Richtung erst einmal feststand, schlossen sich die vier Ausnahmemusiker für gut ein halbes Jahr im Studio ein und widmeten ihre ganze Aufmerksamkeit dem neuen Album, das im Gegensatz zu den früheren Werken erstmals kein die Songs verbindendes Konzept aufweist. Selbst das letzte Studioalbum „Winter Fish Testosterone“, dessen Albumtitel sich aus gerade jenen Songtiteln des Albums zusammensetzte, die die stilistische und emotionale Vielfalt des Albums reflektierten, wies immerhin den Zusammenhang auf, dass die einzelnen Songs auf verschiedene Jahreszeiten oder Übergänge bezogen werden konnten, wie die beiden das Album einrahmenden Songs „My Winter“ und „My Spring“ schon nahelegten.

Mit „Kasmodiah“ haben Deine Lakaien erstmals ein Album eingespielt, bei dem ein die Songs verbindendes Konzept zugunsten der Feinarbeit an den einzelnen Songs aufgegeben wurde. Obwohl es sich bei „Kasmodiah“ folglich um eine lose Ansammlung von einander unabhängigen Songs handelt, tritt die ausgeprägt feinsinnige und atmosphärisch stimmige Klang-Ästhetik in den einzelnen Songs so stark in den Vordergrund, dass sie in ihrer Gesamtheit absolut homogen wirken und trotz einiger stilistischer Ausflüge in experimentellere („Lass mich dein Lakai sein“) und rhythmischere („Kiss The Future“, „Fight“, „My Shadows“) Gefilde ein vor allem ungemein melodiöses und emotional stark bewegendes Werk bilden.

Vielleicht machte der stimmige Gesamteindruck des Albums es für die Band so schwierig, einen passenden Titel für das fünfte Werk von Deine Lakaien zu finden.

„Es war nicht so, dass uns der Albumtitel im letzten Moment gekommen ist“, meint Alexander.

„Ernst hatte sich schon recht früh für ‚Kasmodiah‘ entschieden, aber für mich war der Text von ‚Kasmodiah‘ gerade einer, den ich nicht in den Vordergrund stellen wollte. Er ist doch eine Art introvertierter Traum-Song.“

„Ja, aber er hat so etwas Samtiges, Dunkel-Samtiges“, wirft Ernst ein.

„Ich habe auch gleich verstanden, was er meint“, winkt Alexander ein. „Der Name - es ist ja ein Frauenname - spiegelt auch recht gut die Ästhetik von Deine Lakaien wider. Dann habe ich meine Bedenken, so einen intimen Titel in den Vordergrund zu stellen, langsam aufgegeben. Es ist ja auch irgendwo die Quintessenz des Albums. Es gibt so einige Stücke am Rande, die nicht unter diese Ästhetik fallen, aber der Titel ist schon recht repräsentativ.“

Alexander, der gut drei Viertel der Texte von „Kasmodiah“ geschrieben hat, schuf wie für Deine Lakaien üblich einmal mehr sehr poetische und symbolisch verschlüsselte Texte, die teilweise aber auch die Intimität und persönliche Note aufweisen, die sein Solo-Album ausgezeichnet haben.

„Es ist ja nicht so, dass ich mich hinsetze und sage, so, jetzt schreibe ich einen Deine-Lakaien-Text, der dann nicht persönlich sein soll, und nun schreibe ich einen Text für Veljanov, der muss jetzt persönlich sein. Das macht man ja nicht“, erläutert Alexander. „Es ist bei mir schon so, dass es Texte gibt, die bei mir seit Jahren in einer Schublade liegen, fast fertig. Es gibt also auf dem neuen Album auch Texte, die von der Grundstruktur älter sind als die vom Veljanov-Album. Es muss eben immer irgendwie einen Sinn machen. Es ist sicher nicht alles unpersönlich, was auf ‚Kasmodiah‘ ist, das kann es auch gar nicht sein, aber es ist schon so, dass mir für Deine Lakaien verschlüsselte Texte naheliegender erscheinen. Das ist aber auch nicht immer so. Es gibt auch Texte, die sind auf einer Vorlage von Ernst entstanden, so wie bei ‚Kiss The Future‘ und ‚Lass mich dein Lakai sein‘. Das sind ja keine symbolischen Texte, aber da gab es auch neue Aspekte, die ich vorher noch nicht erkannt hatte. So eine Art Text gab es vorher bei uns nicht.“