Deine Lakaien „Kasmodiah“
Großes Feature im Zillo

Nachdem Deine Lakaien mit ihren letzten Alben jeweils in die Media-Control-Charts einsteigen konnten, war es eigentlich auch nur eine Frage der Zeit, bis sie mit einem Major zusammenarbeiten würden. Letztlich haben es Deine Lakaien wie Project Pitchfork gemacht, sind ihrem Indie-Label Chrom Records treu geblieben, können aber die Möglichkeiten einer Major Company wie Columbia ausschöpfen, mit der sie zusammenarbeiten.

„Der Motor dazu waren in erster Linie das Label und der Verlag“, erklärt Ernst die Entstehung des neuen Label-Status. „Alexander hat ja nun einige gute Erfahrungen mit Majors sammeln können und ist deshalb vielleicht auch etwas offener in dieser Beziehung. Und es ist auch so, dass wir ein gutes Verhältnis zu den Leuten haben.“

„Man spricht ja auch mit Kollegen und tauscht Erfahrungen aus. Da weiß man schon nach einiger Zeit, wo die sensiblen Leute sitzen und wo die anderen“, meint Alexander.

„Es ist heute ja auch nicht mehr so, dass man sagen kann, die Indie-Label sind die Guten und die Majors die Bösen. Geld verdienen wollen alle, es kommt eben nur darauf an, mit welchen Methoden. Wenn man sich künstlerisch nicht reinreden lässt und das vertraglich abgesichert ist, dann steht einem Major-Vertrag nichts im Wege. Kaputtmachen kann man bei uns nicht viel, und in künstlerischer Hinsicht sind wir es, die alles absegnen müssen.

Natürlich haben wir jetzt auch den Blick mehr aufs nicht-deutschsprachige Ausland gerichtet. Ich bin schon gespannt, wie wir woanders ankommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man unsere Musik in ganz Europa hören kann, und nicht nur in Europa. Warum sollte Deutschland im Ausland auf Modern Talking und ähnliches reduziert werden? Nun gut, es gibt ja auch Kraftwerk, und es wäre irgendwie schön, wenn wir diese Tradition intelligenter deutscher Bands fortsetzen könnten.“

Auf jeden Fall haben Deine Lakaien durch ihre Verbindung zu Columbia Records erstmals auch die Möglichkeit gehabt, ein professionelles Video zu drehen, das wenige Tage vor ihrer Interview-Tour in einem Berliner Theater abgedreht worden ist. Doch die Skepsis gegenüber diesem Medium ist auch bei Deine Lakaien stark ausgeprägt.

„Uns wurden verschiedene Treatments angeboten, von denen dann eines ausgewählt wurde, aber die visuelle und künstlerische Umsetzung lag nicht mehr in unserer Hand“, erzählt Alexander. „Wir haben uns da auch bewusst raus gehalten. Es ist ja immer ein Wagnis, einen Videoclip anfertigen zu lassen, ein Sprung ins kalte Wasser, weil du mit Leuten zusammenarbeitest, die dich entweder gar nicht oder nur ganz flüchtig kennen, und wenn dann wie in unserem Fall noch viele Statisten am Set sind, wird dir die Sache völlig weggenommen. Da kannst du nur noch abwarten. Hinterher kannst du sagen, okay, das mache ich nie mehr, oder: das finde ich klasse, oder: das nächste Mal muss man anders vorgehen. Das ist mehr ein Glücksspiel. Was natürlich Wahnsinn ist, ist die Relation, wie teuer so ein Videoclip ist.

Es gibt Bands, die machen von einem Budget, das ein Videoclip verschlingen kann, drei Alben. Da habe ich ein bisschen Bauchschmerzen. Wenn man sich überlegt, wofür dieser Videoclip gemacht wird - es gibt ja nur ein, zwei relevante Musiksender in Deutschland -, und sich überlegt, wie groß das Angebot eigentlich ist und wie viel davon gesendet wird - vielleicht zehn Prozent -, dann ist das schon eine ungute Situation. Aber man sollte so einen Videoclip nicht überbewerten. Man sollte den Leuten nicht die Bilder zu einem Song vorsetzen. Die sollen sich ihre eigenen Bilder zur Musik machen. Aber das sind die Kompromisse, die man nun mal eingeht. Es gibt ja auch Videos, die ich persönlich sehr schätze, und Videomacher, die sehr interessant sind.“