Release Information 1995

Helga Pogatschar: Mars Requiem

Studio-Album

Musik im Raum für fünf Singstimmen und Keyboards.
Das MARS Requiem stellt nicht mehr das Erinnern an die Toten in den Mittelpunkt, sondern die Frage, wie es zum Tod kommen mußte…

50 Jahre nach Kriegsende

Die Bereitschaft zur Gewalt, die Macht von Institutionen und die Verführbarkeit von Massen sind die Themenkreise des Projekts und sind zugleich Kontrapunkte zum kontemplativen Gestus eines Requiems: Mythos trifft auf Religion oder Gewalt und Glauben sind reziprok: Mars versus Agnus Dei.

Suggestion und Verführung durch ein ungewöhnlich aggressives Wiegenlied des Todes. Oscar Schellbach der Verführer, der Meister der Auto-Suggesstion als Kommentator und einzige Sprecheinlage:„Nur als höherer Mensch hast du Daseinsberechtigung…“

Die Doppelbödigkeit der Liturgie als probates Mittel der Verführung wird evident. Traurigkeit statt Trauer: Ein Abgesang, Schlußpunkt und Aufbruch.

Die Musik

Mit der Modalität knüpft die Komposition an das Idiom der alten Musik an, erweitert es dann aber durch pentatonische Tonleitern oder arabische Elemente. Der Hörer fühlt sich durch den archaischen Satz an die hochmittelalterliche Vokalpolyphonie erinnert, aber auch an die avantardistischen Klangschichtungen der Moderne.

Die Komponistin und Keyboarderin läßt auf dem Computer komplexe, vertrackte Rhythmen entstehen und setzt sie kontrapunktisch zu melismatischen Gesängen ein. Manchmal versinken diese babylonischen Gesänge auch in einem Meer futuristisch anmutender Klangwellen, die Sänger müssen gegen übermächtige Klangwände ansingen. Die Musik ist nicht klassifizierbar, sie folgt keiner der üblichen ästhetischen Strategien.

MARS Requiem auf der Bühne

Uraufführung war am 10. November 1995 in der Reithalle in München. Helga Pogatschars intensive Arbeit (über ein Jahr) hat sich gelohnt. Ein überzeugendes und überraschendes Resultat, die Grenzüberschreitung von der gesungenen Totenmesse hin zu aggressiven Industrial Klängen ist einzigartig, beschwörend und beunruhigend.

Helga Pogatschar MARS Requiem - Uraufführung 1995

Wachgerüttelt aus der Bilderflut, der Klassik-Tradition und dem Pop-Einerlei unserer Zeit wird der Zu- Hörer zur Auseinandersetzung gezwungen, sowohl akustisch als auch visuell. Die Lichtführung im Raum holt die Besucher des Konzerts in die Welt hinein, die durch Klänge geschaffen wird, Diaprojektionen begleiten und erweitern die Aussage.

Das Schneewittchen des Plattencovers ist in ihrem Glassarg erwacht und erkämpft sich als überzeugtes „Bad girl“ ihren Weg durch den Dschungel männlicher Kompositions-Tradition.

Helga Pogatschar

Helga Pogatschar - Musikerin und Komponistin ist ein modernes Schneewittchen, das musikalisch den „Prinzen“ den Kampf ansagt: „… Ich bin selbst obsessiv, kriegerisch und fanatisch, deshalb mache ich solche Projekte. Ingeborg Bachmann hat gesagt, daß Faschismus bereits in der Beziehung beginnt. Diesem Thema muß man sich also unweigerlich stellen .“

Helga Pogatschar 1995

Die Diskussion um die Emanzipation der Frau sollte nicht mehr nötig sein. Als Frau Komponistin zu sein, erfordert einen langen Atem. Noch längeren Atem brauchen wir, bis sich zweitausend Jahre Patriarchat im kollektiven Unterbewußtsein umentwickelt haben. „Sicher aber wünsche ich mir letztendlich nur Ruhe und Harmonie, Zeit und Muße zum Komponieren, um Kraft für viele weitere Projekte zu sammeln.“, so Helga Pogatschar. Sie wird ihren Weg weitergehen, den Weg einer ernsthaften Komponistin und den Weg einer besessenen Musikerin: Mars hat von Venus eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen!


CD-Credits

  • Bass Vocals – Jürgen Weiß
  • Conductor, Directed By – Alexander Zimmermann
  • Keyboards, Music By, Arranged By, Producer, Composed By – Helga Pogatschar
  • Layout, Other [The Requiem Was Commissioned By] – Carl Erling
  • Management [Project Management] – Peter Engelmayer
  • Mastered By – Christoph Stickel
  • Mezzo-soprano Vocals – Dagmar Aigner, Stefanie Früh
  • Mixed By – Florian H. Oestreicher and Jens Ohly
  • Photography By [Cover Photo] – Claudia Böhm
  • Photography By [Portrait Photo] – Achim Bunz
  • Recorded By – Florian H. Oestreicher
  • Soprano Vocals – Gerlinde Sämann
  • Tenor Vocals – Andreas Hirtreiter

Zusatzhinweis zum Track „Mars“

Der 1. Track „Mars“ ist nur erhältlich auf CD-Erstauflage (1995 / Pappschuber), welche inzwischen vergriffen ist. Der Titel wurde später von der Komponistin gestrichen und ist auf der jetzt aktuellen Wiederauflage der CD (1996 / Jewel Box) nicht mehr enthalten.


Titel-Liste:
  • Mars (1st edition only)
  • Introitus
  • Kyrie
  • Graduale
  • Tractus
  • Sequentia
  • Offertorium
  • Sanctus
  • Agnus Dei
  • Communio
  • Qohelet

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