Release Information 1997

Kirchohmfeld: Sic Transit Gloria Mundi

Studio-Album

Dem Mitarbeiter des Mastering-Studios, der „sic transit gloria mundi“ das erste Mal hörte, schien das Konzeptalbum von KIRCHOHMFELD eine tontechnische Katastrophe. Kein Wunder, nicht umsonst hatten die Musiker ein Jahr intensiver Studioarbeit darauf verwandt, Sounds und Effekte in den bedrückendsten Frequenzen in die Musik einzuarbeiten.

Ganz fein und subtil spinnen sie damit ein filigranes Gewebe aus Ahnung und Beklommenheit, das sich durch alle Stücke des Albums zieht und eine beunruhigende Stimmung schafft, die mit klassischen Mitteln allein nie zu erreichen gewesen wäre.

Theatralik und Pathos des Gesangs lassen dabei auf diffus vertraute und gleichzeitig doch befremdliche Weise an das Grauen alter Stummfilme wie Dreyers „Vampyr“ oder Murnaus „Nosferatu“ denken und spannen so einen Bogen zur Sprache der Dark Wave Musik, deren Gestus auf dem Album ständig mitzuschwingen scheint.

KIRCHOHMFELD

KIRCHOHMFELD stehen in der Tradition elektronischer Klangexperimente. Diese Form innovativer Musikschöpfung wurde bereits in den 20er Jahren mit den ersten Versuchen, Technologie und Klangerzeugung zu verbinden, begründet. Immer auf der Suche nach fremder Schönheit bewegen sich Klangexperimentatoren am äußersten Rande musikalischer Entwicklung. Mittlerweile ist es allerdings bedeutend schwerer geworden, auf dem Gebiet der Klangforschung nennenswert Neues zu leisten. Samplingtechniken, mit denen sich heute quasi jeder erdenkliche Klang erzeugen läßt, haben diese Entwicklung zu einem vorläufigen Ende geführt.

Naheliegend, wenn eine neue Generation von Experimentalmusikern gerade in der Selbstbeschränkung ihrer Mittel eine kreative Aufgabe sieht.

So beschränkten sich KIRCHOHMFELD bei der Instrumentierung ihres Zyklus ganz bewußt auf die Verwendung zweier Keyboards, Lexicon 300 und Eventide DSP 4000. Und es ist erstaunlich, was sie durch elektromusikalische Feinarbeit, Dopplungen und andere Tricks aus diesen Instrumenten herauszuholen imstande waren.

Im Spannungsfeld von Natur, Technik und Zivilisation schicken KIRCHOHMFELD den Hörer auf eine bewegte Reise in die Welt luzider Phantasmen.

„Wirst Du lang’ fort sein?“ fragt der Prolog, und wie im Fiebertraum erklingen schwere Bässe in Herzschlagfrequenz.

Schritte, Wasserrauschen, an- und abschwellende Stimmen - Geräusche aus dem musikalischen Zauberwald - vermitteln auf „sic transit gloria mundi“ trotz Synthetik der musikalischen Mittel einen Hauch von Lebendigkeit.

Eine Lebendigkeit, die sich vielleicht gerade durch ihre Verletzlichkeit ausdrückt und umso intensiver wird, je leiser sie tönt.

KIRCHOHMFELD liefern Musik, die einen nicht mehr losläßt, sobald man sich auf ihre Sprache eingelassen hat. Magie und Mystik der Musik, vielbeschworene Begriffe, kommen hier auf heimtückische Art und Weise zum Zug.


Titel-Liste:
  • Prolog/Frische Fahrt
  • Brunnen I
  • Vereinsamt
  • Lebenslied
  • Quantensprünge
  • Frühling
  • Leben Sterben
  • Notturno
  • Vermächtnis
  • Brunnen II
  • Epilog

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