Silence, „Vain“ (Zillo 2004)

Annäherung an einen Geist

Silence - Primoz Hladnik, Boris Benko

Mit ihren ersten beiden Alben „Ma Non Troppo“ (1997), „Unlike A Virgin“ (1999) und dem Soundtrack „Maison des rendez-vous“ (2003) hat sich die 1992 gegründete slowenische Band Silence durch einen Plattenvertrag mit Chrom Records auch hierzulande schnell beliebt machen und von Beginn hervorragende Ratings bei monatlichen Soundchecks und jährlichen Kritiker- und Publikumspolls erzielen können. Ihr neues Album „Vain“ haben Boris Benko und Primoz Hladnik dem vor sechs Jahren unter mysteriösen Umständen verstorbenen slowenischen Künstler Matej Smolnik alias Vain gewidmet, weshalb das Werk den Untertitel „A Tribute To A Ghost“ trägt.

Zwar hat man Silence von Beginn an angesichts mangelnder Alternativen gern in die Electro-Pop-Ecke eingeordnet, doch spätestens das neue Album wird dieser Kategorisierung nur noch schwer gerecht. Klar, Benkos einschmeichelnd warmer Gesang ist wie gemacht für sanften Schmuse-Pop, und auch die extrem melodischen Kompositionen würden wunderbar in einer schlichten elektronischen Inszenierung glänzen können, aber Silence haben es sich und ihren Hören zum Glück nie so leicht gemacht und stets auch nach anderen als nur elektronischen Mitteln gesucht. So wird „Vain“ vor allem von der schwermütigen Melancholie geprägt, die der Tod eines geliebten Menschen oder – wie in diesem Fall – geschätzten Künstlers hervorruft. Neben die atmosphärisch dichten, gelegentlich auch tanzbaren Grooves treten immer wieder einfühlsame Streicher, die sich auf sehr harmonische Weise mit den Electronics und dem eindringlichen Gesang verbinden.

Aber wie kam überhaupt die Idee zustande, das Album dem 1998 verstorbenen Künstler Vain zu widmen, dessen Zeichnungen und einleitenden Worte auch das Booklet von „Vain“ zieren?

„Ich weiß es wirklich nicht. Es ist schwer zu sagen, wann alles begonnen hat“, tut sich Boris mit der Begründung schwer. „Wir haben seit Jahren etliche Ideen für ,Vain‘ in unseren Köpfen herumgetragen, zum Beispiel die Frage, warum der Tod eines Künstlers den Wert seiner Arbeit steigen lässt. Wie kann Kunst – die größte Errungenschaft überhaupt – so viele profunde Wahrheiten über das Leben aufdecken? Warum ist eine absurde Lüge immer leichter zu akzeptieren als die Wahrheit? Warum wird das freie Reden über manche Dinge ebenso wie der Tod als Tabu betrachtet? Es gab Myriaden von Gedanken und Ideen wie diese, die langsam in ,Vain‘ mündeten. Zuerst entwickelten wir das Konzept. Kurz darauf folgte die Musik.“

Interessant ist vor allem die eigenwillige Kraftwerk-Coverversion von „Hall Of Mirrors”, für die Silence sogar Anne Clark als Gastsängerin gewinnen konnten, bei der man sich allerdings fragt, wie sie in das Konzept von „Vain“ passt.

SILENCE VAIN

„Wir wurden gefragt, ob wir ein Kraftwerk-Cover für ,Trans Slovenia Express Vol. 2‘ beisteuern könnten, eine Compilation, auf der alternative slowenische Acts Kraftwerk-Klassiker covern und die in einigen Monaten veröffentlicht wird. Die erste Compilation wurde vor einigen Jahren von Mute veröffentlicht und war recht erfolgreich, so dass sie sich entschlossen, ein Sequel zu machen. Wir entschieden uns für ,Hall Of Mirrors‘, weil es die Art von Lyrics hat (die menschliche Eitelkeit mit amüsierender Scharfsinnigkeit sezieren), die Vain mit Sicherheit geliebt hätte. Es verfügt außerdem über eine extrem eingängige Melodie“, erklärt Boris.

Das Kraftwerk-Cover ist ein gutes Beispiel dafür, wie Silence selbst mit (fast) rein elektronischer Instrumentation ein extrem organisches Feeling zu kreieren verstehen, aber das liegt eben auch an der Arbeitsweise der Band.

„Nun, wir waren nie Synthesizer-Puristen. Alle Silence-Tracks werden zunächst auf dem Piano oder der Akustik-Gitarre geschrieben und dann ,elektrifiziert‘. Ich denke, die Produzenten unserer früheren Alben haben uns als ,Electro‘-Band aufgefasst und haben unsere Musik entsprechend umgeformt, um sie dieser Wahrnehmung anzupassen. ,Vain‘ ist das erste Album, das wir selbst produziert haben, so dass wir zum ersten Mal die Gelegenheit hatten, diese akustische Seite in unseren Sound zu integrieren. Diese akustischen Elemente sind sehr wichtig für uns, weil sie so besonders sind – sie sind unsere Fingerabdrücke, die akkurateste Weise, um uns zu identifizieren.“

Sicher haben Silence auch durch ihre Soundtrack-Arbeiten viel für die bessere Umsetzung von stimmungsvollen Momenten und Elementen in ihrer Musik gelernt. Nun arbeiten sie bereits an zwei weiteren Theater-Soundtracks und bereiten die Live-Performance von „Vain“ vor. Vielleicht darf man die Band dann auch auf deutschen Bühnen erleben…

Dirk Hoffmann


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